
Karl Marx: Leben, Theorien und aktuelle Bedeutung – Überblick
Kaum ein Denker des 19. Jahrhunderts hat die Welt so sehr geprägt wie Karl Marx. Wer sich mit seinen Theorien beschäftigt, stößt schnell auf verhärtete Fronten – doch hinter den politischen Zuschreibungen verbirgt sich ein analytisches Werk, das den Kapitalismus bis heute durchdringt. Die globale Finanzkrise ab 2007 ließ die Marxsche Krisentheorie wieder relevant erscheinen, und führende Ökonomen zitieren ihn heute teils positiv. Dieser Artikel bietet eine sachliche Einordnung von Marx’ Leben, seinen zentralen Ideen und ihrer aktuellen Bedeutung – jenseits von Kaltem Krieg und politischem Dogma.
Geboren: 5. Mai 1818 in Trier ·
Gestorben: 14. März 1883 in London ·
Bekannt als: Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker ·
Hauptwerk: Das Kapital (drei Bände, 1867–1894) ·
Berühmteste Schrift: Das Kommunistische Manifest (1848) ·
Einfluss auf: Soziologie, Wirtschaftswissenschaft, politische Theorie
Kurzüberblick
- Philosoph, Ökonom und Gesellschaftstheoretiker – Quelle: Encyclopaedia Britannica (Lexikon)
- Geboren 1818 in Trier, gestorben 1883 in London – Quelle: Encyclopaedia Britannica (Zusammenfassung)
- Autor von Das Kapital (Band 1 1867) und dem Kommunistischen Manifest (1848) – Quelle: Encyclopaedia Britannica
- Die genaue Anzahl der Trauergäste bei Marx’ Beerdigung ist umstritten (11–20 Personen) – Quelle: Encyclopaedia Britannica
- Die Rolle von Marx in der Ersten Internationale wird je nach Quelle unterschiedlich bewertet – Quelle: Encyclopaedia Britannica
- Ob Marx’ Kinder tatsächlich an Unterernährung starben, ist nicht vollständig geklärt – medizinische Aufzeichnungen fehlen – Quelle: BBC History
- 1818: Geburt in Trier
- 1848: Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests
- 1867: Erster Band von Das Kapital erscheint
- 1883: Tod in London
- Marx’ Kapitalismuskritik bleibt in Zeiten wachsender Ungleichheit relevant – Quelle: Encyclopaedia Britannica
- Globalisierung und Finanzkrisen befeuern neue Debatten um seine Theorien – Quelle: Stanford Encyclopedia of Philosophy (wissenschaftliches Nachschlagewerk)
Die zentralen Eckdaten auf einen Blick – von der Geburtsstadt bis zu den politischen Wegmarken.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Vollständiger Name | Karl Heinrich Marx |
| Geburtsdatum | 5. Mai 1818 |
| Geburtsort | Trier, Königreich Preußen |
| Todesdatum | 14. März 1883 |
| Sterbeort | London, Vereinigtes Königreich |
| Beruf | Philosoph, Ökonom, Journalist |
| Bekannteste Werke | Das Kapital, Kommunistisches Manifest |
| Ehepartner | Jenny von Westphalen |
| Anzahl Kinder | 6 (vier überlebten das Kindesalter) |
| Politische Ausrichtung | Sozialist, Kommunist |
Die Tabelle zeigt die biografischen Eckdaten, die durch Standesämter und historische Quellen gut belegt sind. Auffällig: Die Zahl der überlebenden Kinder – nur zwei Drittel erreichten das Erwachsenenalter – spiegelt die prekären Lebensumstände im Londoner Exil wider.
Für was ist Karl Marx bekannt?
Seine Rolle als Philosoph und Ökonom
- Marx wird von der Stanford Encyclopedia of Philosophy (wissenschaftliches Nachschlagewerk) als akademisch ausgebildeter Philosoph mit Doktorgrad in antiker Philosophie beschrieben.
- Die Encyclopaedia Britannica (Lexikon) bezeichnet ihn als Revolutionsschriftsteller, Soziologen, Historiker und Ökonomen.
- Er analysierte den Kapitalismus als historisch entstandenes System, das durch innere Widersprüche zur Selbstzerstörung tendiert.
Das Besondere an Marx’ Ansatz: Er verknüpfte Philosophie mit empirischer Ökonomie und machte sie zur Analyse des realen Kapitalismus – ein Ansatz, der in der modernen Soziologie als Historischer Materialismus weiterlebt.
Das Kommunistische Manifest und Das Kapital
- Das Kommunistische Manifest (1848) gilt laut Encyclopaedia Britannica als der bekannteste Traktat der sozialistischen Bewegung.
- Der erste Band von Das Kapital erschien 1867 im Verlag Otto Meisner; die Bände 2 und 3 wurden posthum von Friedrich Engels herausgegeben (1885–1894).
- Beide Werke prägen die Sozialwissenschaften bis heute und werden an Universitäten weltweit gelesen.
Das Muster: Marx’ Hauptwerke sind keine reinen Theoriegebäude, sondern hochaktuelle Zeitdiagnosen, deren Haltbarkeit in den Sozialwissenschaften immer wieder getestet wird.
Einfluss auf die Arbeiterbewegung
- Marx war von 1864 bis 1872 eine führende Figur in der Ersten Internationale (Encyclopaedia Britannica – Zusammenfassung).
- Seine Theorie des Klassenkampfs und die Forderung nach Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln inspirierten Arbeiterparteien in ganz Europa.
Marx’ eigentliche Triebfeder war nicht die bloße Kritik, sondern der Nachweis, dass der Kapitalismus systematisch seine eigene Gegnerin hervorbringt: das revolutionäre Proletariat. Für Arbeiterbewegungen des 19. Jahrhunderts war dies keine Utopie, sondern eine wissenschaftliche Prognose.
Die Kernleistung: Marx verknüpfte Philosophie mit empirischer Ökonomie und machte sie zur Analyse des realen Kapitalismus – ein Ansatz, der in der modernen Soziologie als Historischer Materialismus weiterlebt.
Was war die Theorie von Karl Marx?
Historischer Materialismus
- Der historische Materialismus besagt, dass die Produktionsweise – also die Art, wie eine Gesellschaft ihre materiellen Güter produziert – die gesellschaftlichen Verhältnisse, das Recht und die politischen Institutionen bestimmt (BBC History (öffentlich-rechtliche Bildungsinstitution)).
- „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“ (aus der Kritik der politischen Ökonomie, 1859)
- Diese Materialismus-Konzeption ist das Fundament aller weiteren marxschen Theorien.
Die Implikation: Wenn das Sein das Bewusstsein bestimmt, dann sind Ideen und Weltanschauungen keine freien Geistesprodukte, sondern Spiegelungen konkreter materieller Interessen.
Mehrwerttheorie
- Die Mehrwerttheorie erklärt, wie der Kapitalist den Arbeitern einen Lohn zahlt, der unter dem Wert der produzierten Güter liegt – die Differenz ist der Mehrwert, den sich der Kapitalist aneignet.
- Dieser Mechanismus führe zu einer fortschreitenden Ausbeutung der Arbeiterklasse und zu sinkenden Profiten auf lange Sicht.
- Die Encyclopaedia Britannica hebt hervor, dass die Mehrwerttheorie den Kern von Marx’ Kapitalismuskritik darstellt.
Das Muster: Die Mehrwerttheorie entlarvt den scheinbar fairen Lohnvertrag als strukturelle Ungleichheit – eine Einsicht, die bis in die moderne Arbeitssoziologie nachwirkt.
Klassenkampf und Revolution
- „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.“ – so beginnt das Kommunistische Manifest (BBC History).
- Der Kapitalismus produziere zwei antagonistische Klassen: die Bourgeoisie (Besitzer der Produktionsmittel) und das Proletariat (Lohnarbeiter).
- Marx sagte voraus, dass die Widersprüche des Kapitalismus zu immer schwereren Krisen führen und das Proletariat schließlich die Revolution herbeiführen werde.
Viele Interpretationen vereinfachen Marx’ Analysen auf ein reines Revolutionsszenario. Tatsächlich ist seine Krisentheorie differenzierter: Er identifizierte eine Tendenz zur fallenden Profitrate, die den Kapitalismus zwingt, immer neue Märkte zu erschließen – und dabei dieselben Krisen zu reproduzieren.
Die theoretische Architektur von Marx ist kein starres Dogma, sondern ein Entwicklungsmodell: Jede Produktionsweise erzeugt ihre eigene Klasse, die sie irgendwann sprengt. Das Muster wiederholt sich – bis die letzte Klassengesellschaft (der Kapitalismus) durch eine klassenlose Gesellschaft abgelöst wird.
Welches Zitat stammt von Karl Marx?
„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“
- Dieser berühmte Schlussappell stammt aus dem Kommunistischen Manifest (1848) von Marx und Engels (Encyclopaedia Britannica).
- Er wurde zum weltweiten Kampfruf der sozialistischen Arbeiterbewegung.
Das Zitat wirkt über die historische Situation hinaus: Es fasst den Internationalismus der Arbeiterbewegung in einem Satz zusammen.
„Die Religion ist das Opium des Volkes“
- Das Zitat findet sich in der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie (1844).
- Marx meinte damit nicht, Religion sei wörtlich eine Droge, sondern sie betäube die Schmerzen der Unterdrückung und verhindere so den Aufstand (Encyclopaedia Britannica).
Die Konsequenz: Religion als gesellschaftliches Betäubungsmittel verhindere die Revolte – eine Deutung, die bis heute in Religionssoziologie und Politologie nachhallt.
„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt drauf an, sie zu verändern“
- Die 11. Feuerbach-These (1845) ist ein zentraler Grundsatz des Marxismus.
- Sie fordert die praktische Umgestaltung der Gesellschaft, nicht nur die theoretische Erkenntnis.
Alle drei Zitate zeigen Marx’ Überzeugung, dass Theorie immer auf Praxis zielen muss. „Religion als Opium des Volkes“ wird oft verkürzt als Religionskritik zitiert, doch der Satz steht in einer Analyse der politischen Ökonomie des Glaubens: Religion kompensiert irdisches Elend, anstatt es zu bekämpfen.
Die Zitate werden bis heute in politischen Debatten, in der Popkultur und in akademischen Seminaren verwendet – ein Beleg für die Sprachgewalt von Marx.
Was sind die Kernaussagen von Karl Marx?
Die kapitalistische Produktionsweise ist von inneren Widersprüchen geprägt
- Der Kapitalismus steigert die Produktivität, aber gleichzeitig die Verelendung der Arbeiterklasse (Verarmungstheorie).
- Die Tendenz zur fallenden Profitrate führe zu immer schwereren Wirtschaftskrisen (Encyclopaedia Britannica).
Das Paradoxon: Der Kapitalismus produziert seinen eigenen Untergang, indem er die Bedingungen seiner Stabilität (steigende Profite) systematisch untergräbt.
Der Staat dient den Interessen der herrschenden Klasse
- Marx sah den Staat nicht als neutralen Schiedsrichter, sondern als „Ausschuss, der die gemeinsamen Geschäfte der Bourgeoisie verwaltet“ (Kommunistisches Manifest).
- Recht, Politik und Ideologie seien Ausdruck der ökonomischen Machtverhältnisse.
Die Konsequenz: Staatliches Handeln ist nie neutral, sondern stets Ausdruck der Interessen der ökonomisch dominierenden Klasse.
Die Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln
- Marx forderte die Vergesellschaftung der Produktionsmittel.
- Das Privateigentum an Fabriken, Maschinen und Land betrachtete er als Quelle der Ausbeutung.
- Die Abschaffung dieser Eigentumsform sei die Voraussetzung für eine freie, klassenlose Gesellschaft.
Die Kernaussagen sind nicht als Handlungsanleitung für Putschversuche gedacht, sondern als analytisches Instrument. Das Ziel: die Mechanismen sichtbar machen, die Ungleichheit erzeugen – eine Absicht, die heute auch in der globalen Ungleichheitsforschung wieder aufgegriffen wird.
Diese drei Säulen – Krisentheorie, Staatskritik und Eigentumsfrage – bilden das Gerüst, auf dem sich die ganze marxsche Weltanschauung entfaltet.
War Karl Marx Kommunist?
Marx’ Verhältnis zum Kommunismus
- Marx bezeichnete sich selbst als Kommunist und war Mitglied des Bundes der Kommunisten (Encyclopaedia Britannica).
- Für ihn war der Kommunismus keine Utopie, sondern die logische Konsequenz aus der kapitalistischen Entwicklung – eine wissenschaftlich begründbare Gesellschaftsform.
Die Nuance: Marx’ Kommunismus war kein fertiges Modell, sondern eine aus der Analyse abgeleitete Prognose.
Die Rolle der Kommunistischen Liga
- Der Bund der Kommunisten beauftragte Marx und Engels 1848 mit der Abfassung des Kommunistischen Manifests.
- Die Liga war ein kleiner, geheimer Geheimbund, der nach der gescheiterten Revolution von 1848 zerschlagen wurde.
Der Gegensatz: Der Geheimbund-Charakter der Liga steht in Spannung zu Marx’ späterem Anspruch, eine Massenbewegung zu führen.
Abgrenzung zum modernen Kommunismus
- Die Stanford Encyclopedia of Philosophy betont, dass Marx häufig eher als Aktivist denn als Philosoph behandelt wird – und dass seine Schriften nach seinem Tod zur Rechtfertigung autoritärer Regime umgedeutet wurden.
- Der „real existierende Sozialismus“ in der Sowjetunion, China oder Nordkorea berief sich auf Marx, weicht aber in zentralen Punkten wie der Rolle der Partei und der Planwirtschaft von seinen Vorstellungen ab.
- Marx selbst hatte eine demokratische, selbstverwaltete Gesellschaft im Sinn – ohne Parteidiktatur und Staatsterror.
Die Gleichsetzung Marx = Stalin ist historisch ungenau. Marx hat nie den Gulag oder die Kulturrevolution gefordert. Seine Kommunismus-Vorstellung war basisdemokratisch und internationalistisch. Die Anwendung seiner Ideen durch spätere Diktatoren ist eine eigenständige, teils verzerrende Interpretation.
Die Antwort ist also differenziert: Ja, Marx war Kommunist im Sinne des 19. Jahrhunderts, aber sein Kommunismusbegriff unterscheidet sich fundamental von dem des 20. Jahrhunderts.
Karl Marx – heute noch aktuell?
Aktualität der Kapitalismuskritik
- Die globale Finanzkrise ab 2007 ließ die Marxsche Krisentheorie wieder relevant erscheinen – zahlreiche Kommentatoren griffen auf Marx’ Analyse der Kredit- und Finanzmärkte zurück (Encyclopaedia Britannica).
- Seine Beschreibung von Kapital als „sich selbst verwertendem Wert“ gewann in der Diskussion um systemische Risiken neues Gewicht.
Der Befund: Die Finanzkrise 2008 war für viele Ökonomen ein „Marx-Moment“ – seine Krisentheorie schien die Dynamik besser zu erklären als die Mainstream-Modelle.
Globalisierung und soziale Ungleichheit
- Die weltweite Ungleichheit hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen: Laut Encyclopaedia Britannica gehört die Schere zwischen Arm und Reich zu den Themen, die Marx’ Kritik am Kapitalismus bestätigen.
- Seine Theorie der „Entfremdung“ – die Trennung des Arbeiters vom Produkt seiner Arbeit – passt auf globale Lieferketten und die Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern.
Die Ironie: Der globale Kapitalismus, den Marx kritisierte, produziert heute genau jene Ungleichheitsmuster, die seine Theorie vorhersagte.
Finanzkrisen und Marxsche Analysen
- Führende Ökonomen wie Joseph Stiglitz zitieren Marx teilweise positiv (Encyclopaedia Britannica).
- Der US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger wies darauf hin, dass Marx’ Krisentheorie die Dynamik der Jahre 2008–2010 besser erkläre als neoklassische Modelle.
Marx’ Aktualität liegt nicht in der revolutionären Praxis, sondern in der Diagnose: Seine Analyse des Widerspruchs zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnisses trifft heute auf Digitalisierung und Plattformkapitalismus – wo Märkte schneller wachsen als die Regulierung.
Die Kernfrage ist nicht, ob Marx recht hatte, sondern ob seine Werkzeuge taugen, um zeitgenössische Phänomene zu verstehen. Und das tun sie – in Soziologie, Politologie und Wirtschaftswissenschaft gleichermaßen.
Karl Marx: Seine Bücher, Theorien und sein Einfluss
Das Kapital: Entstehung und Inhalt
- Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie ist Marx’ Hauptwerk, das den Kapitalismus einer umfassenden Kritik unterzieht.
- Band 1 (1867) analysiert den Produktionsprozess des Kapitals, Band 2 (1885) den Zirkulationsprozess und Band 3 (1894) den Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion.
- Die Encyclopaedia Britannica nennt es eines der einflussreichsten Werke der Weltliteratur.
Die Tragweite: Das Kapital ist kein reines Wirtschaftsbuch, sondern eine interdisziplinäre Analyse, die Ökonomie, Soziologie und Philosophie vereint.
Das Kommunistische Manifest
- 1848 in London veröffentlicht, fassen die 23 Seiten das theoretische Programm des historischen Materialismus zusammen.
- Es beginnt mit „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“ und endet mit dem Aufruf zur Vereinigung aller Proletarier.
Die Wirkung: Das Manifest ist das meistgelesene politische Pamphlet der Weltgeschichte – seine Rhetorik hat Generationen von Aktivisten und Revolutionären geprägt.
Weitere wichtige Schriften
- Die deutsche Ideologie (1845–1846, gemeinsam mit Engels) legt die Grundlagen des historischen Materialismus.
- Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie (1857–1858) sind eine frühe, sehr umfangreiche Fassung der Kapital-Kritik.
- Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte (1852) gilt als Meisterwerk politischer Analyse.
Der Einfluss von Marx erstreckt sich auf Soziologie, Geschichtswissenschaft, Politologie und sogar Literaturwissenschaft – keine andere Denkfigur des 19. Jahrhunderts hat so viele Disziplinen durchdrungen.
Die posthume Wirkung von Marx ist doppelgesichtig: Während seine theoretischen Werke in akademischen Bibliotheken stehen, wurde sein Name zur Legitimationsformel für die schlimmsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Wer Marx ernst nimmt, muss beide Seiten sehen – den Analytiker und das Missbrauchte.
Zeitleiste: Stationen im Leben von Karl Marx
- 1818 – Geburt in Trier (Encyclopaedia Britannica)
- 1835–1841 – Studium der Rechtswissenschaft und Philosophie in Bonn und Berlin (Encyclopaedia Britannica – Zusammenfassung)
- 1843 – Hochzeit mit Jenny von Westphalen; Umzug nach Paris (Encyclopaedia Britannica – Video)
- 1845 – Ausweisung aus Paris; Umzug nach Brüssel (Encyclopaedia Britannica – Zusammenfassung)
- 1848 – Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests (Encyclopaedia Britannica – Zusammenfassung)
- 1849 – Exil in London nach der gescheiterten Revolution (Encyclopaedia Britannica – Zusammenfassung)
- 1864 – Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation (Erste Internationale) (Encyclopaedia Britannica – Zusammenfassung)
- 1867 – Erster Band von Das Kapital erscheint (Encyclopaedia Britannica)
- 1883 – Tod in London; Beerdigung auf dem Highgate Cemetery (Encyclopaedia Britannica)
- 1885–1894 – Posthume Veröffentlichung der Bände 2 und 3 von Das Kapital durch Friedrich Engels (Encyclopaedia Britannica)
Die Zeitleiste zeigt einen roten Faden: Vom rheinischen Studenten zum Londoner Exilanten – Marx’ Leben war geprägt von Vertreibung, Armut und dem unermüdlichen Versuch, sein großes Werk zu vollenden.
Bestätigte Fakten und offene Fragen
Bestätigte Fakten
- Marx’ Geburts- und Todesdaten sind durch Standesämter belegt (Encyclopaedia Britannica)
- Das Kapital Band 1 erschien 1867 im Verlag Otto Meisner (Encyclopaedia Britannica)
- Das Kommunistische Manifest wurde 1848 in London veröffentlicht (Encyclopaedia Britannica – Zusammenfassung)
- Marx war Mitglied des Bundes der Kommunisten (Encyclopaedia Britannica)
Was unklar ist
- Die genaue Zahl der Besucher bei Marx’ Beerdigung ist umstritten (11–20 Personen) (Encyclopaedia Britannica)
- Die Rolle von Marx in der Ersten Internationale wird je nach Quelle unterschiedlich bewertet (Encyclopaedia Britannica – Zusammenfassung)
- Ob Marx’ Kinder tatsächlich an Unterernährung starben, ist nicht vollständig geklärt – medizinische Aufzeichnungen fehlen (BBC History)
- Der genaue Umfang von Marx’ Einfluss auf die spätere Sowjetunion wird kontrovers diskutiert – direkte Textstellen werden von Historikern unterschiedlich gewichtet (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
Das Verhältnis von gesicherten Fakten zu offenen Fragen zeigt: Bei Marx gibt es mehr Klarheit, als populäre Mythen vermuten lassen – dennoch bleiben einige Grauzonen, die von ideologischer Vereinnahmung profitieren.
Marx in eigenen Worten und in den Augen von Engels
„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“
Karl Marx und Friedrich Engels, Kommunistisches Manifest (1848) – Encyclopaedia Britannica
„Die Religion ist das Opium des Volkes.“
Karl Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie (1844) – Encyclopaedia Britannica
„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt drauf an, sie zu verändern.“
Karl Marx, Thesen über Feuerbach (1845) – Encyclopaedia Britannica
„Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte.“
Friedrich Engels, Rede am Grab von Karl Marx (17. März 1883, Highgate Cemetery) – Encyclopaedia Britannica
Die Zitate zeigen die rhetorische Wucht von Marx – und die tiefe persönliche Verbindung zu Engels, der seinen Freund überlebte und dessen Werk vollendete.
Was bleibt?
Karl Marx war kein Prophet, sondern ein Wissenschaftler des Kapitalismus. Seine Theorien bieten ein scharfes Instrument zur Analyse von Ungleichheit, Krisen und Macht – auch wenn sie im 20. Jahrhundert oft als Rechtfertigung für Diktaturen missbraucht wurden. Für Leser in Deutschland, die Marx heute neu entdecken, ist die Lektion klar: Man muss ihn nicht mögen, um von ihm zu lernen. Wer die Mechanismen des Marktes verstehen will, muss sich mit Marx auseinandersetzen – oder entscheidet sich bewusst für oberflächliches Wissen.
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Häufig gestellte Fragen
Ist Karl Marx der Begründer des Kommunismus?
Welche Bücher schrieb Karl Marx?
Woran starb Karl Marx?
War Karl Marx verheiratet?
Hatte Karl Marx Kinder?
Was bedeutet historischer Materialismus?
Welche Rolle spielte Friedrich Engels für Marx?
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